XT 600 Vergaser

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Inhaltsverzeichnis

Vergaser

Allgemein

Die XT 600 hat einen sogenannten Register-Vergaser (nicht Doppelvergaser). Ein Zylinder wird von zwei Vergasern über zwei getrennte Einlasskanäle je nach Drehzahl mit Gemisch versorgt. Der in Fahrtrichtung linke Vergaser (der Primärvergaser) ist ein Schiebervergaser, der ab Leerlaufdrehzahl arbeitet. An ihm befindet sich auch die gemeinsame Schwimmerkammer. Hinzu kommt ab ca. 3500 U/min der zweite rechte Vergaser (Sekundärvergaser). Dieser funktioniert nach dem Unterdruckprinzip. Alte Modelle (43F, 55W) haben einen Alukolben als Schieber und einen starren Teller als Membran, neuere Versionen haben einen Kunststoffschieber und eine Gummimembran, die gelegentlich zu Problemen mit Rissen oder Schrunpfung führt. Häufig kommt es vor, dass diese bei der Vergaserüberholung falsch eingebaut oder gar eingequetscht werden. Fehlerbild ist dann schlechte Gasannahme oberhalb der 3500U/min. Sollte die Membran geschrumpft sein und nicht mehr richtig in ihren Sitz in der runden Nut passen, lässt sich die Membran durch mehrstündiges Einlegen in Benzin wieder weiten. Ein Erwärmen mit Fön oder Heisswasserbad funktioniert kurzfristig ebenfalls.

Schwimmerstand einstellen

Geltungsbereich oder bekannte Ausnahmen:

durchweg alle XT/TT600 und Ténéré-Modelle mit Serienvergaser (Yamaha Registervergaser YDIS)

Es gibt zwei gängige Methoden, den Schwimmerstand zu kontrollieren.

Die erste Methode ist z.B. im Bucheli 5097 - der Reparaturanleitung zur XT 600 und Ténéré ab 1983 - beschrieben. Auf diese Weise ist die Messung in eingebautem Zustand möglich, allerdings muss zur Korrektur des Schwimmerstandes der Vergaser ausgebaut werden.

Die zweite Methode wird bei ausgebautem Vergaser und demontierter Schwimmerkammer vorgenommen. Sie sollte bei jeder Vergaseröffnung kontrolliert werden. In diesem Zustand lässt sich der Schwimmerstand auch korrigieren.

Vergaser links für Schwimmerstand messen

Beschreibung der Methode eins:

Ein durchsichtiger PVC-Schlauch (L=20 cm, Dinnen=5mm oder 6mm) wird unten an die Schwimmerkammer angeschlossen und in einer U-Führung nach oben gelegt, ca. 10cm über das Niveau der Schwimmerkammer hinaus. Im Serienzustand befindet sich dort ein schwarzer Überlaufschlauch, der in Richtung Schwinge auf die Strasse geführt wird und offen bleibt.

Danach wird die Schwimmerkammer an der Ablass-Schraube (siehe Bild) geöffnet. Dabei ist der Benzintank offen und das Motorrad steht weitestgehend gerade. Das Benzin läuft nun in das PVC-Rohr und steigt dort auf den selben Stand wie im Vergaser. Als Messwert dient ein Vergleich zur Dichtkante der Schwimmerkammer aussen. Der Benzinstand im Schlauch soll 5-7mm unter der Dichtkante der Schwimmerkammer liegen, ansonsten muss nachkorrigiert werden (siehe Methode 2).

Fingerzeig (1):

Vorsicht, die Schwimmerkammer-Ablass-Schraube ist recht weich und kann durch falsches Werkzeug leicht beschädigt werden. Nach dem Messen das Zudrehen nicht vergessen.


Skizze Schwimmerstand



Beschreibung der Methode zwei (die bevorzugte Methode):

Das Plättchen am Schwimmer (im Bild gelb), das auf das Nadelventil (im Bild rot) drückt und das zum Verändern des Schwimmerstandes minimal verbogen wird, wird durch Kippen des ganzen Vergasers um die Querachse soweit angehoben, dass es zwar aufliegt, aber den federbelasteten Stift (im Bild blau) im Schwimmernadelventil nicht hinunter drückt. Ausgangsposition zum Messen des Schwimmerstandes ist also ein kopfüber stehender Vergaser, der dann um die Querachse soweit gedreht wird, dass das Plättchen gerade aif der Feder aufliegt aber diese nicht eindrückt. Mit Querachse ist eine gedachte Achse von links nach rechts durch den Vergaser laufen, in Fahrtrichtung gesehen gemeint.

Gemessen wird jetzt mit der Schieblehre, dem Geodreieck oder dem Maßstab der grösste Abstand zwischen Schwimmer und Dichtflächenkante im rechten Winkel zur Dichtfläche. Der Schwimmerstand ist in Ordnung, wenn das Maß x am gekippten Vergaser 26mm  +/- 1mm beträgt. Ist dem nicht so, muss an dem Plättchen in die entsprechende Richtung gebogen und nochmals gemessen werden. Biegen am besten mit einem kleinen Elektro- oder Uhrmacher-Schraubendreher. Da das Plättchen nur schwach gebogen wird, macht es viele Biegevorgänge ohne Probleme mit.

Fingerzeig (2):

In der oben angegebenen gekippten Position haben die Schwimmergestelle (das Blech, an dem der Schwimmer montiert ist) normaler Vergaser (nicht Fallstromvergaser!) meistens eine Position von etwa 45° zur Vergaserdichtfläche. hat man keine Einstelldaten für einen Vergaser, ist das ein guter Ausgangswert.

Fingerzeig (3): Eine eher seltene Fehlerquelle ist ein Loch im Schwimmer. Ist der Schwimmer ausgebaut und befindet sich Flüssigkeit in den Schwimmern (den Runden Plastikzylindern) ist er defekt und muss getauscht werden. Also einfach mal den Schwimmer Schütteln nach Demontage.

Düsen

Es gibt drei wichtige Düsen am XT-Vergaser: die Hauptdüse im Primärvergaser (Grössenordnung zwischen #130 und #165), die Hauptdüse im Sekundärvergaser (Grössenordnung zwischen #120 und #150) und die Leerlaufdüse im Primärvergaser (meistens #46 oder #48). Die Größenangaben bezeichnen speziell bei unseren Vergasern den Düsenquerschnitt in tausendstel Millimeter. So hat eine Düse #135 0,135mm Durchmesser. Zur Feststellung der Größe kann eine Düsenlehre benutzt werden oder man verlässt sich auf die eingeschlagenen Größenangaben (siehe Bilder). Achtung! Größen können nachträglich mit einer Düsenreibahle verändert werden. Bei anderen Herstellern bedeutet die Angabe auf der Düse auch mal die Durchflussmenge. Diese Hersteller haben meist eine Aufschlüsselungstabelle.

Schraubenliste

Air-Cut-Ventil Seitlich am Primärvergaser
M4 x 10 2x
Schwimmerkammer
M4 x 10 4x
Blech für Züge
M4 x 10 2x
Anschlag
M5 x 15 + Mutter M5
Deckel Sekundärvergaser
M4 x 10 4x
Deckel Primärvergaser
M4 x 10 2x
Verbindungen der Vergaser
M5 x 10 6x

Funktion des Schwimmers

Das bewegliche Schwimmernadelventil (siehe Vergaser Dichtsatz XT600) hat seinen Sitz in einer Messingbuchse. Da es sich hierbei um die Haupt-Benzinzufuhr vom Tank zum Vergaser handelt, ist hier nochmals am oberen Ende ein Sieb eingebaut, das als Benzinfilter fungiert. Ist dieses Sieb verdreckt, kommt nicht mehr genugt Benzin in den Vergaser und es kommt zu Störsymptomen, der Vergaser arbeitet nicht mehr richtig.

Gehäuse eines verschmutzen Primärvergasers
Vergaserdichtsatz von Tourmax

Zum Ausbau der Buchse muss die Steckachse des Schwimmers entfernt werden (siehe rote Markierung im Bild). Dann kann man den Schwimmer nebst Ventil entnehmen. Die Buchse ist einfach in das Vergasergehäuse eingedrückt und wird von einem O-Ring gehalten (siehe gelbe Markierung im Bild). Manchmal - vor allem nach 20 Jahren unangetastetem Sitz - sitzt die Buchse sehr fest. Vorsicht, nicht mit der Zange zu fest greifen, da die Buchse sonst zerdrückt wird. Zum Ausbau eher daran wackeln. Ersatz gibt es in Form von Vergaserdichtsätzen oder einzeln bei Yamaha. Hierbei handelt es sich um eine beliebte Fehlerquelle Nach Ausbau das Sieb an der Buchse inspizieren und ggf. mit Bremsenreiniger oder Luftdruck durchspülen/durchblasen bis es wieder durchlässig ist.


Fingerzeig (4): Eine weitere beliebte Fehlerquelle: Bei der Montage des Deckels des rechten Unterdruckvergasers wird gerne die Membran falsch eingesetzt und eingequetscht, da sie manchmal altersbedingt geschrumpft ist. Die Folge ist, dass Luft an der Membran einströmt und die richtige Funktion des Vergasers stört. Erwärmen oder Einlegen der Gummimembran in Benzin macht sie wieder flexibel. Der äußere Rand der Membran muss exakt in der dafür vorgesehenen Nut im Gehäuse des rechten Vergasers sitzen. Symptom: Gasannahme über 3500 U/min. ist unsauber

Siehe auch

Vergaser Dichtsatz XT600

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